BSK Hannover Seelze vs Nordhäuser SV

Jeder Serie reißt einmal, so sagt man. Dass an dieser Floskel tatsächlich etwas dran ist, haben die Boxer des BSK Hannover-Seelze am Wochenende eindrucksvoll bewiesen – und zwar an ihrem Gegner, dem Nordhäuser SV. Bei den Thüringern handelte es sich nicht nur um den amtierenden Deutschen Meister, sondern auch um den bis dahin ungeschlagenen Tabellenführer. Es war also alles andere als eine leichte Aufgabe, der sich die Faustkämpfer um die Trainer Arthur Mattheis, Dmitri Schunk und Viktor Schedel stellen mussten.

Dass sich die Gastgeber davon aber nicht einschüchtern ließen, machten sie bereits im ersten Kampf des Abends deutlich, als Raman Sharafa (bis 57 kg) zu Dias Kuzembaew in den Ring stieg. Beide Athleten waren technisch sehr gut eingestellt, doch der mutig nach vorne marschierende Sharafa konnte mit den saubereren Treffern punkten und somit den Auftaktsieg für die Gastgeber verbuchen.

Spannend ging es direkt weiter, als Artur Bril (bis 61 kg) auf Radomir Obrusniak traf. Auch hier begegneten sich beide Kontrahenten auf Augenhöhe. Bereits in der 1. Runde musste der Unparteiische den Kampf unterbrechen, da beide Boxer Cutverletzungen davongetragen hatten, die vom Ringarzt untersucht werden mussten. Als der Kampf wieder freigegeben worden war, konnte Bril sich durch seinen kontrollierten Kampfstil und seine kompakte Deckungsarbeit Vorteile erkämpfen. Auch als sein Gegner im Schlussdurchgang noch einmal alles auf eine Karte setzte, nach vorne stürmte und der Arzt noch einmal die blutende Platzwunde Brils überprüfen musste, behielt dieser stets die Nerven und konnte sich am Ende als Sieger feiern lassen.

Doch noch gaben sich die Gäste aus Ostdeutschland nicht geschlagen.  Dimitriy Rudenko (bis 65 kg), mehrfacher Ukrainischer Meister und EM-Teilnehmer, bekam es mit Viktor Galos zu tun. Der Nordhäuser verstand es, seine Reichweitenvorteile geschickt auszunutzen und so einen knappen Sieg über Rudenko zu feiern, obwohl dieser stets nach geschlossen agierte und versuchte, dem Kampf seinen Stempel aufzudrücken.

Ähnlich lief es auch für Igor Nesterov, der es mit Balasz Bacskai, seines Zeichens Europameister 2010, zu tun bekam. Der BSK-Kämpfer versuchte zwar, gegen seinen offensiven Gegner  aus der Distanz zu punkten, hatte aber mit Konditionsproblemen zu tun und konnte die Punktrichter nicht von sich überzeugen.

Verlass war dagegen wieder einmal auf Punktelieferant Jakob Deines (bis 76 kg). Gewohnt kompakt und dominant agierend, konnte er gegen Denis Radoran die saubereren Treffer landen und brachte die Hausherren wieder in Führung.

Doch die Thüringer zogen nach. Zwar legte Vladyslav Mykhalov (bis 82 kg) gegen Leon Bunn einen überzeugenden Auftritt hin und konnte in der letzten Runde seinem Gegner i m Schlussdurchgang mit Serien und harten Treffern derart zusetzen, dass dieser angezählt werden mussten, dennoch hatten die Punktrichter nach dem Schlussgong den NSV-Kämpfer vorne.

Somit lag die Gesamtentscheidung bei den „schweren Jungs“: Das Duell zwischen Max Keller (über 91 kg) und Vladimir Ivanov musste die Entscheidung bringen.  Keller, der amtierende Deutsche Meister, boxte kontrolliert aus der Distanz, doch die schnellen Hände Ivanovs machten ihm immer wieder Schwierigkeiten. Doch nachdem der unsauber boxende Nordhäuser zudem zweimal einen Punktabzug wegen des Schlagens mit der Innenhand hinnehmen musste, zeigte das Seelzer Schwergewicht vor allem in der letzten Runde noch einmal, wer Chef im Ring ist, und schüttelte Ivanov mehrmals mit krachenden Rechten durch. Keller hatte es geschafft: Durch seinen Erfolg war der BSK Hannover-Seelze der Gesamtsieger des Abends! Kein Wunder, dass bei Mattheis die Freude grenzenlos war: „Das war Wahnsinn! Wir haben den Tabellenführer geschlagen! Jeder Kampf war ein Highhlight! Spannung bis zum Schluss“, jubelte der Coach. Für den Triumph dankte er nicht nur seinen Boxer, sondern auch dem Publikum: „Die Leute haben unsere Jungs immer wieder angefeuert und nach vorne gepeitscht!“ Aber auch den Gästefans zollte er Respekt: „So eine Unterstützung, wie es die Nordhäuser Boxfans gezeigt haben, findet man nicht oft. Sie haben auf jeden Fall dazu beigetragen, dass die Stimmung fast übergekocht ist“, findet Mattheis. „Es hat einfach alles gestimmt. Auch das ganze Drumherum.“  Zu diesem Drumherum gehörte nicht nur eine atemberaubende Artistennummer in der Pause, sondern auch ein ganz besonderer Gast: Zsolt Erdei, ehemaliger Profi-Weltmeister im Halbschwer- und im Cruisergewicht, war als Betreuer in der Ecke der NSV-Athleten.

Für die BSK-Kämpfer stand am Samstag aber noch mehr an als „nur“ die Bundesliga, denn immerhin finden momentan auch die diesjährigen Verbandsmeisterschaften statt. Dort konnte sich Agassi Badalyan (über 91 kg) gegen Ilias Djojan (BC Heros Salzgitter) durchsetzen und sich so den Titel sichern. Sein Vereinskamerad Misak Aslanyan (bis 67 kg) konnte gegen Marvin Roth (Tigers Salzgitter) ebenfalls triumphieren und sich für die nächste Runde qualifizieren.

Auch in den nächsten Wochen wird es nicht ruhiger für Mattheis und sein Team: Mehrere Kämpfer treten noch in der Verbandsmeisterschaft an und in der Liga stehen noch zwei Auswärtskämpfe in Nordhausen und Prag an. Zudem gibt es am 20. Februar noch einen besonderen Leckerbissen für alle Box-Fans: Dann empfängt der BSK eine schwedische Auswahlmannschaft zum internationalen Vergleichskampf. Auch dann fliegen wieder die Fäuste wieder im Autohaus Günther – und die Stimmung wird sicherlich genauso grandios sein wie beim Liga-Kampf gegen Nordhausen.

BSK Hannover Seelze vs Motor Babelsberg

Den Verlauf des Saisonauftakts hätten sich die Boxer des BSK Hannover-Seelze anders gewünscht: Zu Hause verlor das Team um die Trainer Arthur Mattheis und Dmitri Schunk gegen den SV Motor Babelsberg.

Dabei legten die Gastgeber zunächst einen vielversprechenden Start hin: Raman Sharafa (bis 57 kg) konnte gegen Omar El Hag seine Reichweitenvorteile geschickt ausnutzen und immer wieder aus der Distanz punkten, sodass er dem BSK die ersten Zähler des Abends bescherte.

Artur Bril (bis 61 kg) legte gegen den aktiven Enrico La Cruz nach und kam immer wieder mit Serien durch.

In der blutigen und kuriosen Begegnung zwischen Dmitriy Rudenko (bis 65 kg) und Eugen Dahinten begannen die Gäste jedoch eine Aufholjagd: In der dritten Runde waren beide Athleten durch Cuts über den Augen schwer gezeichnet – zu schwer, um den Kampf fortzusetzen. Daher mussten schon vor dem Schlussgong die Punktzettel entscheiden; und auf denen hatte der Babelsberger zum Zeitpunkt des Abbruchs die Nase vorn.

In der Gewichtsklasse bis 70 kg gab es ein Wiedersehen mit einem alten Bekannten: Abbas Barou war noch in der letzten Saison für den BSK in den Ring gestiegen, schnürt aber inzwischen für den SVM die Handschuhe. Leicht machte es ihm sein ehemaliges Team zwar nicht, dennoch konnte er durch seine bessere Technik und Kondition mehr Schläge ins Ziel bringen als sein Gegner Igor Nesterov. Damit schlossen die Gäste zu den Hausherren auf.

Jakob Deines (bis 76 kg) agierte gewohnt stabil, fand aber nicht das richtige Mittel gegen den taktisch sehr gut eingestellten Max van der Pas, der den Ring nach einem sehr engen Duell als Sieger verließ.

Ebenso erging es Uke Smajli gegen Peter Müllenberg (bis 82 kg). Der Seelzer präsentierte sich zwar engagiert und legte in der letzten Runde noch einen Schlussspurt hin, doch das reichte nicht – die klareren und härteren Treffer hatte Müllenberg für sich verbuchen können.

Auch Eugen Waigel (über 92 kg) tat sich gegen den offensiv nach vorne marschierenden Yan Sadzilovski schwer und musste eine Niederlage hinnehmen.

Zumindest ein Seelzer hatte noch Grund zum Jubeln: BSK-Eigengewächs Hasan Özer (bis 76 kg) war im Einlagekampf gegen Ahmad Assaid (OSC Hannover) zu sehen, wo er seinen Kontrahenten von Beginn an mit variablen Schlägen unter Druck setzte und bewies, dass in Zukunft noch mit ihm zu rechnen sein wird.#

„So ist das halt im Sport“, resümierte Coach Mattheis nach der Veranstaltung. „Es ist ärgerlich, dass wir zu Hause verloren haben, aber die Saison hat ja gerade erst begonnen. Ich weiß, dass die Jungs alles dafür geben werden, wieder in die Erfolgsspur zurückzufinden.“ Und noch etwas lässt ihn optimistisch in die Zukunft blicken: „Das Publikum hat wieder eine grandiose Stimmung geschaffen und hat bis zum Ende unsere Kämpfer angefeuert. Ich habe immer noch eine Gänsehaut von der Atmosphäre. Mit solch einer Unterstützung werden wir den nächsten Heimkampf auf jeden Fall gewinnen“, lacht er mit Blick auf den 19. Dezember, wenn im Autohaus Günther wieder die Fäuste fliegen.

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